Der „Wechsel“ mit all seinen Turbulenzen ist eine wichtige Zeit im Leben jeder Frau.
Im unterschiedlichen Maße müssen wir uns in dieser „2. Pubertät“ mit körperlichen
Veränderungen und Wehwehchen, mit emotionalen Auf’s und Ab’s und der
Tatsache des Älterwerdens auseinandersetzen. In dieser weiblichen „Midlife-Krise“
wandelt sich unsere gewohnte Identität, unsere Rolle in Beziehung, Familie und
Beruf, das Interesse an uns als Frau. Wir sind aufgefordert, uns mit vielen
unbequemen und auch irritierenden Fragen zu beschäftigen.
Was uns unsere Leistungskultur dazu anbietet, ist nicht sehr befriedigend: entweder
sollten wir die Spuren unseres Älterwerdens mittels Kosmetik, Mode oder Medizin
verwischen und die Veränderungen in uns ignorieren, oder sie als Krankheiten bzw.
Störungen definieren, die nur durch ärztliches Eingreifen – v.a. durch Hormonersatz-
Therapien – geheilt werden können. Dabei geht es v.a. darum, möglichst rasch
wieder zu funktionieren und leistungsfähig zu bleiben. Diese Herangehensweise ist
ein Ausdruck davon, dass unsere Kultur nur wenige würdige Rollen für ältere Frauen
bereithält. Und so empfinden auch viele Frauen das Älterwerden als eine Art Makel.
Werden die hormonellen und inneren Veränderungen aber vermieden oder
ignoriert, bleiben wichtige Entwicklungsschritte auf der Strecke: das bewusste
Erleben von Verunsicherung und Loslassen, das Zulassen von Nachdenklichkeit, und
die Notwendigkeit eines vorübergehenden inneren Rückzugs, der es jeder Frau
letztendlich ermöglichen kann, mehr die zu werden, die sie wirklich ist.